Wandern auf der griechischen Insel Astypalea

Astypalea ist ein unbekanntes Juwel der Ägäis, gelegen zwischen Dodekanes und Kykladen. Hierher kommen vor allem Griechen, nur wenige Touristen haben die Insel bislang für sich entdeckt. Daher findest Du hier noch ein Stück ursprüngliches Griechenland. Die ca. 1.200 Bewohner sind eng mit ihren Traditionen und ihrer Heimat verwurzelt. Kein Wunder, dass Astypalea daher auf sanften, alternativen Tourismus setzen will. Dazu zählen unter anderem Wanderer, die auch außerhalb der Hochsaison im August auf der bergigen Insel auf Schotterstraßen und Ziegenpfaden auf Erkundungstour gehen können und ein kleines Naturparadies vorfinden. Ende April / Anfang Mai konnte ich Astypalea im Rahmen einer Bloggerreise kennenlernen.

Astypalea: Wandern in den Bergen

In den Bergen von Astypalea

Astypalea: Der Schmetterling der Ägäis

Auf den ersten Blick bietet Astypalea nur eine recht karge Landschaft. Doch bei näherem Hinschauen entdeckt man hohe Berge, grüne Täler, wilde Kräuter, Höhlen, Lagunen, einsame Buchten und kleine Klöster oder Kirchen weit draußen auf dem Land. Astypalea besteht aus zwei Teilen, deren Form einem Schmetterling gleicht. An der engsten Stelle bei Stenos sind seine Flügel durch eine nur 105 m breite Landzunge verbunden. Exo Nisí und Mésa Nisí, also äußere und innere Insel, so heißen die Flügel des Schmetterlings. Auch wenn die Vegetation auf den beiden Flügeln unterschiedlich ist, eines haben sie gemeinsam: Den Duft der wilden Kräuter. Oregano, Salbei und Thymian bedecken die Berghänge. Sie sind in der regionalen Küche unverzichtbar, ob als Gewürz oder als Tee. Auch wilden Safran sammeln die Inselbewohner in den Bergen und verarbeiten ihn zu schmackhaftem Gebäck, das typisch für Astypalea ist und sich auch bestens als Wanderproviant eignet.

Wilder Salbei auf Astypalea

Traditionelles Safran-Gebäck

Wandern auf Astypalea

Es gibt nur wenige Asphaltstraßen auf Astypalea, Schotterstraßen und Pfade führen in die abgelegeneren Teile der Insel. Die urwüchsige Landschaft von Astypalea bietet sich fast überall zum Wandern an. Gut zu wissen: Auf Astypalea gibt es keine Schlangen – dafür wirst Du aber mit großer Wahrscheinlichkeit Ziegen und Schafen begegnen. Viele Buchten und Strände sind etwas abgelegen, lassen sich aber im Rahmen einer Wanderung erreichen. Eine Buslinie verbindet die Orte und Strände miteinander, so dass Du die Haltestellen ebenfalls als Ausgangspunkt für Deine Wanderung nutzen kannst. Am flexibelsten unterwegs bist Du jedoch mit dem Mietwagen oder Roller.

Ziege in den Bergen von Astypalea

Wanderung beim Kloster Agios Ioannis

Als wir uns auf den Weg in die Berge machen, ist der Himmel bedeckt. Dunkle Wolken hängen schwer an den Gipfeln, das Meer leuchtet nicht mehr tiefblau wie in den letzten Tagen, sondern ist trüb-grau. Bettina Mohn, die bereits seit 20 Jahren auf Astypalea lebt und mit der Frauenkooperative Rodia 12 wunderbar kreative Aufstriche aus lokalen Produkten fertigt und Kochkurse anbietet, begleitet uns in die Berge. Unser Ziel ist das Kloster Agios Ioannis im Südwesten der Insel, der Startpunkt unserer kleinen Wanderung. Mit dem Mietwagen starten wir in Livadi, wo wir zuvor in Bettinas Garten eine Einführung in die Kräuter- und Pflanzenwelt der Insel bekommen haben.

Astypalea: Mit dem Mietwagen in die Berge

Aussichtspunkt Palíomylos

Auf Schotterstraßen fahren wir vorbei an der alten Windmühle, Palíomylos, die oberhalb der Chora auf dem Bergrücken thront. Hier solltest Du unbedingt kurz anhalten und die Aussicht genießen: Auf der einen Seite blickst Du hinab auf die weißen Häuser der Chora und Pera Gialos, darüber liegt majestätisch die Burg. Auf der anderen Seite erstreckt sich unter Dir die zerklüftete Küstenlinie mit ihren Buchten und Inseln.

Astypalea: Paliomylos, die alte Mühle

Blick von der alten Mühle auf die Chora von Astypalea

Aussicht auf die Küste von Astypalea

Durch Astypalea’s Bergwelt

Allmählich wird die Schotterpiste unwegsamer, ein Jeep ist hier ratsam. Doch auch mit einem Kleinwagen lässt sich die Strecke bewältigen, allerdings kommt man langsamer vorwärts und muss sich vorsichtig voran tasten. An einigen Stellen geht es steil bergab, wie gut dass uns auf dem schmalen Weg keiner entgegenkommt! In einer Kehre erkenne ich den Stausee und die grüne Ebene von Livadi unter uns. Ab und an beäugt uns eine Ziege neugierig vom Wegesrand aus.

Die grüne Ebene und der Stausee von Livadi

Blick auf die grüne Ebene von Livadi und den Stausee

Burgruine Palíokastro

Wir biegen um die letzte Kurve und Agios Ioannis liegt vor uns. Gegenüber des Klosters finden sich auch die Überreste einer byzantinischen Burg. Palíokastro – so der Name der Ruinen. Hier suchten in der Zeit der byzantinischen Herrschaft die Einwohner Schutz, während feindlicher Angriffe. 1537 legte der berüchtigte Pirat Barbarossa die Burg in Schutt und Asche. Heute stehen nur noch ein paar Mauern und man muss genau hinschauen, um zu erkennen, dass dies die Überbleibsel einer einst imposanten Burg sind.

Astypalea: Paliokastro

Astypalea: Paliokastro

Kloster Agios Ioannis

Malerisch liegt das weißgetünchte Kloster zwischen zwei schroffen Berghängen und schaut hinaus aufs Meer. Von hier hast Du eine wunderschöne Aussicht auf die vorgelagerten Inselchen. Von hier aus soll der Sonnenuntergang besonders schön sein. An diesem Tag ist es zwar wolkenverhangen, aber nicht weniger spektakulär. Auch ein Blick in das Innere des kleinen Klosters lohnt sich. Die Atmosphäre ist absolut friedlich, ich könnte ewig hier sitzen und aufs Meer raus schauen.

Astypalea: Kloster Agios Ioannis

Aussicht vom Kloster Agios Ioannis, Astypalea

Ausblick vom Kloster Agios Ioannis

Astypalea: Kloster Agios Ioannis von innen

Im Kloster Agios Ioannis

Aber schon bald geht es weiter. Auf schmalen, unbefestigten Pfaden steigen wir langsam nach unten. Achtung: Tore müssen wegen der Tiere unbedingt wieder geschlossen werden. Wir durchqueren einen kleinen Bachlauf und einen Bambushain auf unserem steinigen Weg nach unten. Bettina will uns in dieser Abgeschiedenheit geheime, verlassene Gärten zeigen. Hier wachsen neben allerlei Kräutern unter anderem Oliven, Kaktusfeigen, Granatäpfel, Zitronen und Quitten.

Übrigens: Wer dem kaum sichtbaren Pfad weiter nach unten folgt, gelangt an einen kleinen Wasserfall und schlussendlich zu einem Strand, der ebenfalls Agios Ioannis heißt. Allerdings muss man dann auch wieder den steilen Weg nach oben kraxeln…

Alternativer Tourismus auf Astypalea

Astypalea möchte zukünftig verstärkt den alternativen Tourismus fördern, und so die Saison ausdehnen. Hochsaison ist der August, wenn vor allem Griechen auf die Insel kommen und kaum noch freie Zimmer zu bekommen sind. Doch in den übrigen Sommermonaten und in der Nebensaison ist es kein Problem, eine Unterkunft zu finden.

Massentourismus gibt es zum Glück nicht auf Astypalea. Auch die Unterkünfte sprechen vor allem Individualtouristen an. Man findet keine großen Hotels, sondern familiengeführte, liebevoll eingerichtete Boutiquehotels, Pensionen und Ferienwohnungen. Die meisten bieten einen atemberaubenden Blick auf die Chora. Ich war während der Bloggerreise im Ixthioessa Hotel untergebracht, meine Mitreisenden im Andromeda Resort, im Kallichoron Art Boutique Hotel und in den Vithos Apartments.

Hotel Ixthioessa in Astypalea

Bild von meinem Balkon im Ixthioessa Hotel auf die Chora von Astypalea

Neben dem Wandern machen Aktivitäten wie Klettern, Mountain Biking und Wassersportarten wie Tauchen, Windsurfen oder Angeln Astypalea zu einem spannenden Reiseziel. Obwohl die Insel nicht allzu groß ist, bietet sie reichlich Abwechslung für Abenteuerlustige. Auch Kochkurse werden angeboten, bei denen Du lernst, authentische griechische Rezepte mit frischen Produkten nachzukochen. Wenn das Ergebnis nur halb so gut wird, wie die Leckereien, die ich während meinem Aufenthalt auf Astypalea probieren durfte, dann ist es schon ziemlich super…

Leckere griechische Küche in Astypalea

Seafood Pasta im Restaurant Agio Gramma

Mein Check: Pro & Contra

Mein Check: PRO!
BERGIDYLLE UND NATUR PUR
Idyllischer geht es kaum: Das Kloster ist abgeschieden in den Bergen gelegen, der Ausblick auf das Meer und die Inseln ist atemberaubend.
Mein Check: CONTRA!
KONDITION MITBRINGEN
Je besser Du zu Fuß bist und je besser Deine Kondition, desto mehr Spaß hast Du an der Wanderung. Ich hatte ehrlich gesagt schwer zu kämpfen. Die Pfade sind wirklich steil, Du solltest also festes Schuhwerk tragen.

KooperationDie Gemeinde Astypalea hat mich zu der Bloggerreise nach Astypalea eingeladen. Vielen Dank – auch den beteiligten Unternehmen Life Think, Elementi Travel und Ainos Travel – für die Einladung, die Organisation, den herzlichen Empfang und die Gelegenheit, diese noch unbekannte griechische Insel kennenzulernen!

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(955 mal gelesen)

26 Kommentare

  • Hallo Marion,
    ich war zu Studienzeiten mal in Griechenland wandern. Hatte es aber irgendwie nicht mehr auf dem Schirm, wenn es um Wanderziele geht. Das ist jetzt anders, Danke für den tollen Artikel und die Inspiration. Ich war erst vor ein paar Wochen in Italien wandern und muss sagen: Es müssen nicht immer die Alpen sein, ganz im Gegenteil wandern im Süden hat noch mal ein gewisses Etwas.
    Gruß
    Anja

  • Liebe Marion,
    ich muss gestehen, dass ich noch nicht in Griechenland war. Aber ich möchte dort unbedingt bald mal hin. Nachdem ich Deinen Artikel gelesen habe, überlege ich, ob ich nicht fern der üblichen Tourismus-Ziele mit meinen Griechenland-Erlebnissen beginne. 🙂

    Sonnige Grüße,
    Nicolo

  • Heyho Marion,

    Diese wundervolle Insel kann ich gleich in meine Liste zu besuchender Orte aufnehmen. Ich lieeebe Oliven! Und Oliven + Kräuter ist ja noch besser! Danke fürs mitnehmen nach Astypalea. 🙂

    Liebe Grüße,
    Robert

  • Hallo Marion,
    tolle Bilder: Natur pur und eine atemberaubende Landschaft. Und nicht vom Massentourismus befallen. Was will man mehr? Viel mehr als alle Bilder sind es Gerüche, die mir von Reisen in Erinnerung bleiben. Aber da muss man selsbt hinfahren. Und mit deinem tollen Artikel machst du richtig Lust darauf, die Wiesen, Kräuter und Sträucher selbst zu riechen.
    Liebe Grüße
    Klaus

  • Ich finde es immer schön, wenn es noch Flecken gibt, die noch nicht vom Massentourismus überlaufen sind. Ich hoffe, die Insel schafft es, den sanften Tourismus auch in der Zukunft zu bewahren, damit man auch noch in vielen Jahren so eine Wanderung in dieser wunderschönen Landschaft wie du erleben kann.
    LG Ina

    • Die Welt hat soviel zu bieten und ich finde es spannend Orte zu entdecken – die man bisher noch nicht gehört hat, Astypalea scheint ein toller Ort für Ruhe, Gelassenheit und Entspannung zu sein. Traumhaft. die Bilder machen Lust auf eine Reise an diesen Ort.

  • Hi Marion,

    sehr schöner Bericht. Die Wanderung hat ja hammer Aussichten. Mir gefällt deine Pro und Contra Liste am Ende, tolle Idee. Ich bin ja auch nciht so der Wanderer (bin zu faul), aber wenn ich dann sehe, wo man überall hinkommt, macht das schon Lust loszulaufen. Warst Du schon auf der Peloponnes am westlichen Ende? Da ist die Landschaft noch voller bewachsen und auch wudnerschön. Könnte mir vorstellen, dass man da auch gut wandern kann.

    Liebe Grüße, Nina

  • Wow, das sind ja traumhafte Bilder! Da hätte ich bestimmt auch viel Spaß gehabt! Obwohl ich nicht so er Wandertyp bin. Der Ausblick entschädigt aber, oder?

    Liebe Grüße
    Barbara

  • Asty…was? Habe auch noch nie von dieser Insel gehört. Umso schöner, dass ich jetzt auf deinen Bericht gestoßen bin. Unberührte Natur, fernab vom Massentourismus. Toll!

    LG Daniela

  • Ich war im Mai auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki und war völlig begeistert. Ich kann mir deshalb und anhand der Bilder sehr gut vorstellen wie schön Astypalea ist. Aber ganz ehrlich, bisher hatte ich von Astypalea noch nicht mal etwas gehört 😉

    Liebe Grüße
    Christina

  • Ich glaube „unbekanntes Juwel“ trifft es ganz gut. Ich habe noch nie von der Insel gehört, aber die Landschaft scheint wirklich wunderschön und unberührt zu sein. Ein echt toller Tipp!

  • Das riecht nach einem wahren Insider Tipp. Schade das wir noch nie die Gelgenheit hatten Greichenland zu erkunden. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen^^ Wir werden öfter mal bei dir vorbei schauen. Weiter so, und vielen Dank für diesen Artikel!
    Liebe Grüße, Helena und Tobias

  • Ich bin ein großer Fan davon, wenn Gegenden sich bewusst gegen Massentourismus entscheiden und noch nicht so überlaufen sind – denn leider ist das ja immer schwerer zu finden. Allerdings habe ich Familie in Griechenland auf dem Festland, und meistens, wenn ich im Lande bin, bin ich bei Familie und Bekannten zu Besuch. Ein toller Bericht mit wunderschönen Bildern! 🙂

  • Hallo Marion, von der Insel hatte ich zuvor auch noch nie gehört. Ich bin ein großer Fan von Gegenden, die sich entschließen auf nachhaltigen Tourismus zu setzten. In der Regel hat es den meisten Orten Erfolg gebracht.
    Herzliche Grüße
    Sabine

  • Wahrscheinlich hat die Ziege seit langem mal wieder einen Touristen gesehen 😉 Ich mag ja solche Orte, die noch unentdeckt vom Massentourismus sind und daher authentisch und ehrlich rüberkommen. Dein Bericht ist sehr schön geschrieben und ich finde die Pro und Contra-Punkte am Ende super! 🙂

  • Hallo Marion,
    von Astypalea habe ich vorher tatsächlich noch nie etwas gehört. Die Bilder wirken richtig schön idyllisch und ich kann die wilden Kräuter gerade schon fast riechen. Vermutlich das perfekte Fleckchen Erde, um mal tief durchzuatmen und zu entspannen. Werde ich mir auf alle Fälle merken.
    Liebe Grüße
    Katharina

  • WONDERFUL photos of a magical island Marion and such an interesting article, which Malcolm helped me to translate! Hope to see you soon, Karen

    • Hi Karen,
      glad you like it! And thanks to Malcolm for helping out 🙂 My next Astypalea article is in process, but will have to finish 2-3 others first.
      Hugs, Marion

  • Hallo Marion,
    ein schöner Artikel. Vielen Dank dafür. Die Wanderung durch die Berge hat mir auch wahnsinnig gut gefallen. Der Duft der Kräuter hängt mir immernoch in der Nase. Toll war’s!

    • Hallo Sabine,
      ich glaub, ich hab Astypalea-Heimweh! Aber Du hast recht, wenn ich die Augen zu mache, habe ich auch noch den Duft der wilden Kräuter in der Nase 🙂
      Liebe Grüße,
      Marion

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