Bolivien

Zum Dahinschmelzen: Chacaltaya – das (einst) höchstgelegene Skigebiet der Welt

Chacaltaya (La Paz, Bolivien)

Chacaltaya bedeutet „Kalter Weg“ und je höher sich unser Kleinbus die Serpentinen hoch windet, desto kälter wird es. Doch nicht kalt genug, denn die globale Erwärmung hat den Gletscher des einst höchst gelegenen Skigebiets der Welt weggeschmolzen. Dennoch zählt der 5.395 m hohe Berg zu den beliebtesten Tageszielen rund um La Paz. Und das zu Recht, denn wo sonst hat man die Möglichkeit, relativ einfach die Anden in dieser Höhe zu erleben?!

Von La Paz nach El Alto

Der Morgen beginnt früh. Nur 40 km von La Paz entfernt liegt der Chacaltaya eingebettet zwischen den Gipfeln des Huayna Potosí und des Illimani und ist Teil der bolivianischen Cordillera Real (Königskordillere). Mit dem Minibus geht es raus aus dem Talkessel von La Paz nach El Alto. Hier wohnen vor allem die vielen ärmeren Zuwanderer vom Land, die ihr Glück in der Stadt suchen. Es gilt die Faustregel je höher, desto ärmer. Mittlerweile ist El Alto die zweitgrößte Stadt Boliviens, nach Santa Cruz und noch vor La Paz. Eine weitere Superlative: In El Alto liegt auch der höchstgelegene internationale Flughafen der Welt. Während unser kleiner Bus sein Bestes gibt und langsam immer weiter nach oben schnauft, eröffnen sich immer wieder spektakuläre Ausblicke auf La Paz unter uns.

Durch den Altiplano

Wir lassen die geteerte Straße hinter uns und biegen auf eine Schotterpiste ab, die Vegetation wird immer karger. Eine Llama-Herde im Altiplano posiert für den Fotostopp des Tages: Die Tiere grasen vor einer Kulisse, die kaum malerischer sein könnte. Im Hintergrund der Huayna Potosí mit seinen rund 6.100 Metern Höhe und ein blau schillernder Bergsee. In Serpentinen windet sich der „kalte Weg“ weiter den Chacaltaya hinauf. Oben angekommen pfeift uns schon beim Aussteigen ein kalter Wind um die Nase.

Llama Herde auf dem Weg zum Chacaltaya

Auf dem Weg zum Chacaltaya

Chacaltaya: In schwindelerregender Höhe

An den Abgrund klammert sich die Skihütte, die aussieht, als ob sie jeden Moment in die Tiefe stürzen würde. Von der Skistation auf 5.200 m bis zum Gipfel des Chacaltaya sind es nur ein paar hundert Meter, doch der Aufstieg ist extrem anstrengend. In dieser Höhe ist die Luft dünn, jeder Schritt fällt schwer. Obwohl ich ja schon durch die Aufenthalte in Cuzco und La Paz an die Höhe gewöhnt bin, lässt ein Hauch von „Soroche“ grüßen. Die Höhenkrankheit macht sich durch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Atemnot bemerkbar. Doch mit ein bißchen Kopfweh komme ich noch ganz glimpflich davon.

Atemberaubend ist allerdings die Aussicht: Eingerahmt von den höchsten Gipfeln Boliviens erstreckt sich die Landschaft des Altiplanos und der Talkessel von La Paz vor mir. Trotz Nebels ist die Aussicht grandios. Wie beeindruckend muss es erst sein, wenn der Blick noch weiter reicht und man in der Ferne sogar den Titicaca-See erkennen kann!

Chacaltaya (La Paz, Bolivien)

Die einst höchstgelegene Skistation der Welt, Chacaltaya in Bolivien

Chacaltaya

Chacaltaya

Schnee von gestern

Der Gletscher des Chacaltayas war der erste Skihang Boliviens. Der Bolivianische Andenclub, der in den 1930er Jahren hauptsächlich von Deutschen und Österreichern in La Paz gegründet wurde, errichtete hier eine Skihütte und einen einfachen Lift. Die höchste Skipiste der Welt! Einst fanden hier wichtige Skimeisterschaften statt, gut betuchte Paceños verbrachten ihre Wochenenden hier und auch der Tourismus entdeckte den Chacaltaya für sich.

Doch die ruhmreichen Zeiten als höchstgelegene Skistation der Welt sind vorbei. Schnee von gestern. Eis und Schnee sind weggeschmolzen, der Gletscher verschwunden. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es keinen Skibetrieb mehr. Der Chacaltaya ist Opfer und Zeuge der globalen Erwärmung. Was bleibt, ist die Erinnerung an bessere, schneereichere Zeiten. Und natürlich die einmalige Aussicht auf die (noch) schneebedeckten Gipfel der Königskordillere.

 


Mein Check: Pro & Contra

Mein Check: PRO!MACHEN!
Der Chacaltaya ist nicht unbedingt eines der größten Highlights, erwarte also nicht zu viel. Doch meiner Meinung nach lohnt sich schon die Anfahrt (vielleicht wartet ja auch eine Lama-Herde auf Dich) und der Ausblick von oben ist selbst bei schlechtem Wetter spektakulär, sobald die Wolken ein bißchen aufreißen. Auch der etwas morbide Charme der Skihütte hat was für sich. Und mal ehrlich: Über 5.000 Meter kommt man ja auch nicht jeden Tag!

 

Mein Check: CONTRA!HÖHENKRANKHEIT
Auch wenn Du vorher schon eine Zeit in La Paz verbracht hast, ist es doch nochmal ein Unterschied, wenn sich der Bus immer höher die Serpentinen hoch schraubt. Tipp: Halte während der Fahrt hinauf Deinen Körper kühl (also weg mit der warmen Jacke) und kurbel das Fenster runter für mehr Sauerstoff.

 

 


 

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