Saarland: Wanderung auf dem Jakobsweg durch den Bliesgau

Saarland: Wanderung auf dem Jakobsweg im Bliesgau

Spätestens seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ boomen Wanderungen auf dem Jakobsweg. Vor allem auf den klassischen Routen durch Spanien, Frankreich und Portugal. Doch auch in Deutschland kann man auf dem Pilgerweg wandern, zum Beispiel im Saarland. Im Herbst bin ich auf einem kurzen Teilstück des Jakobsweg im saarländischen Bliesgau bei Kleinblittersdorf gewandert – mit wunderschönen Ausblicken auf die Landschaft des Biosphärenreservats Bliesgau.

Biosphärenreservat Bliesgau

Ganz im Südwesten Deutschlands liegt das Saarland. Entlang des Flusses Blies erstreckt sich der Bliesgau, eine einzigartige Kulturlandschaft mit blumenreichen Streuobstwiesen, schattigen Buchenwäldern, sanften Hügeln und grünen Auenlandschaften. Seltene Tiere und Pflanzen haben ihre Heimat im Bliesgau. Der Bliesgau gehört zu den Biosphärenreservaten der UNESCO, Landwirtschaft und Naturschutz gehen hier Hand in Hand.

Eine gute Kombination: Wandern und Genießen

Zu Fuß lässt sich der Bliesgau am besten erkunden, zum Beispiel auf einem der Premiumwanderwege wie dem Hüttenwanderweg, der Bliesgau Tafeltour, dem Blies-Grenz-Weg oder auf dem saarländischen Jakobsweg, der auf einer Nord- und einer Südroute von Hornbach (Pfalz) nach Metz (Lothringen) verläuft und dabei den Bliesgau durchquert.

Nach Frankreich ist es nur einen Katzensprung, daher hat die Gegend eine bewegte Geschichte hinter sich: Im Laufe der Zeit waren viele Orte der Grenzregion mal deutsch, mal französisch. Heute macht sich diese Vergangenheit zum Teil im französischen Flair bemerkbar, das sich nicht nur im Savoir-vivre zeigt, sondern vor allem auch in den Kochtöpfen der Region. Gutes Essen hat einen hohen Stellenwert, egal ob saarländisch-deftig oder französisch angehauchte Geschmackserlebnisse. Eine Einkehr sollte man sich daher bei seiner Wandertour nicht entgehen lassen.

Wanderung auf dem Jakobsweg in Kleinblittersdorf im Bliesgau

Während meines Wochenendtrips ins Biosphärenreservat Bliesgau steht eine kleine Wanderung von ca. 7 km auf einem Teilstück des Jakobsweges bei Kleinblittersdorf auf dem Programm. Startpunkt ist das Glamping Resort bei der Saarland Therme, in das wir schon vor der Eröffnung einen Blick werfen dürfen. Nach einer kleinen Besichtigung beginnt hier unsere abendliche Wanderung auf dem Jakobsweg.

Nachdem wir ein kleines Waldstück durchquert haben, führt der Weg auf offenes Gelände durch Felder. Kurz bevor wir den Ortsteil Auersmacher erreichen, kreuzt ein Förderband des Kalkstein-Bergwerks unseren Weg, das aber Ende 2017 stillgelegt wurde. Bis dahin war sie die größte noch betriebene unterirdische Kalksteingrube Europas.

Malerisches Dörfchen Auersmacher

Ein bisschen verschlafen wirkt Auersmacher, kaum jemand ist auf der Straße zu sehen. Dafür ist der Ortskern ist mit seinen historischen Bauernhäusern und der Pfarrkirche aber auch sehr idyllisch. Das Backhaus wird auch heute noch von den Landfrauen zum Backen – und vermutlich auch als Treffpunkt für den Dorftratsch – genutzt. Das Alte Bauernhaus wurde liebevoll restauriert und fungiert heute gleichzeitig als Heimatmuseum und als Pilgerherberge, in der Wanderer günstig übernachten können.

Blühende Landschaften

Links und rechts des Weges erstreckt sich eine sanfte Hügellandschaft mit Wiesen, auf denen sogar jetzt im Herbst noch Blumen und Kräuter blühen. Besonders schön soll es hier im Frühling und Frühsommer sein, wenn wilde Orchideen erblühen und für lila Tupfen im Grün sorgen. Die Abendsonne steht schon tief und ihre Strahlen tauchen die Landschaft des Bliesgau in ein goldenes Licht. Noch haben wir ein gutes Stück vor uns und so müssen wir uns ein bisschen beeilen, bevor die Dämmerung aufzieht.

Bald erreichen wir wieder den Wald und schließlich trifft der Jakobsweg auf die L254. Von hier aus ist es nicht mehr weit, wir folgen dem Fuß- und Fahrradweg für ca. 500 m. Mittlerweile ist es fast dunkel geworden und die Lichter des Wintringer Hofs leuchten uns warm entgegen.

Mein Reisejahr 2017: Jakobsweg im Saarland

Ziel der Wanderung: Landgasthaus Wintringer Hof & Wintringer Kapelle

Der Wintringer Hof wird nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet und von der Lebenshilfe betrieben. Auch eine eigene Kelterei, die aus dem Obst der Streuobstwiesen leckere Säfte produziert, gehört dazu. Im Hofladen und Landgasthaus erhalten Jakobspilger ihren Stempel.

Nach einem langen Tag freue ich mich auf ein leckeres Abendessen im Landgasthaus Wintringer Hof und werde nicht enttäuscht. Dass frische Zutaten, überwiegend aus biologischen Anbau, verwendet werden, schmeckt man einfach.

Auf dem Gelände des Hofs befindet sich außerdem die mittelalterliche Wintringer Kapelle, in der heute Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden. An diesem Abend ist es zu spät für einen Besuch, doch da wir auch im Wintringer Hof übernachten, statte ich der Kapelle am nächsten Morgen einen kurzen, in Nebelschwaden gehüllten, Besuch ab.

 

Jakobswege im Saarland

Schon seit dem Mittelalter machen sich Pilger aus aller Welt auf den Weg zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela. Und so entstehen in ganz Europa verschiedene Wegstrecken. Dabei wollten die Pilger vor allem eines: schnell an ihr Ziel kommen. Deswegen wählten sie vor allem Strecken, die möglichst einfach und geradlinig übers Land führten. Doch darüberhinaus bieten die Jakobswege auch besondere landschaftliche Reize – eben wie hier im Bliesgau.

Seit 1993 gehören die Jakobswege zum geistigen Weltkulturerbe der UNESCO. Bis heute haben die Wege der Jakobspilger ihre Anziehungskraft nicht verloren und erleben in den letzten Jahren geradezu einen Boom unter Pilgern und Wanderfreunden: Ob als Tageswanderung oder als mehrtägige Tour – die Jakobswege im Saarland werden bei Wanderern und Naturfreunden immer beliebter. Sie führen auf einer Nord- und einer Südroute durchs Saarland und das Biosphärenreservat Bliesgau.

Die Südroute des Jakobswegs führt vom pfälzischen Speyer über Hornbach, Medelsheim und Kleinblittersdorf im Saarland bis ins französische Lothringen, wo die Orte Sarreguemines und Hérapel passiert werden, bis nach Metz. Die Nordroute beginnt ebenfalls in Speyer bzw. Hornbach, nimmt dann aber die Strecke über Blieskastel und Saarbrücken, über Hérapel und St. Avold nach Metz. Markiert ist der Jakobsweg durch das bekannte Symbol der Jakobsmuschel.

Sternenweg: Chemin des Étoiles

Die europäischen Wege der Jakobswegen, werden auch als Sternenwege bezeichnet. Unter dem Namen Sternenweg (Chemin des étoiles) hat sich auch ein Projekt der Instandhaltung und Aufwertung des Jakobsweges in der europäischen Großregion Rheinland-Pfalz, Saarland und Lothringen verschrieben. Kernstück ist das Konzept eines naturnahen und vernetzenden Kulturtourismus. Gekennzeichnet ist der Sternenweg durch Wegezeichen aus steinernen Jakobsmuscheln, Ornamenten und Sternen. Sie weisen auf die alten Jakobspilgerwege sowie auf mittelalterliche Kulturdenkmäler hin.

Mein Check: Pro & Contra

Mein Check: PRO!
SCHÖNE, KURZE WANDERUNG
Diese kurze Etappe ist eine gute Gelegenheit den Jakobsweg im Saarland kennenzulernen. Traumhafte Aussicht über den Bliesgau, besonders beim Sonnenuntergang. Macht Lust auf mehr!
Mein Check: CONTRA!
GENÜGEND ZEIT EINPLANEN
Entlang des Jakobswegs gibt es einiges zu entdecken. Daher solltest Du Zeit für Besichtigungen und kleine Abstecher einplanen.

Mit von der Partie bei dieser Bloggerreise war Jan von Deutschlandjäger, der von unserer „Kulinarischen Wanderung durchs Bliesgau“ am nächsten Tag berichtet. Schau doch mal vorbei!

Bist Du schon mal auf dem Jakobsweg im Saarland gewandert, vielleicht auch „nur“ als regionale Tagesetappe? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

Kooperation

Zu meinem Wochenendtrip ins UNESCO Biosphärenreservat Bliesgau wurde ich von der Tourismus Zentrale Saarland GmbH, der Saarpfalz-Touristik und dem Regionalverband Saarbrücken eingeladen. Vielen Dank für die Gelegenheit, in den Bliesgau „reinzuschmecken“, die tolle Organisation und die nette Betreuung vor Ort!
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1 Kommentar

  • Hallo Marion,
    hach, meine Heimat! Ein ganz toller Bericht, den Du geschrieben hast <3 Ich gestehe: immer wieder sehe ich die Zeichen des Jakobswegs, doch selbst gegangen bin ich ihn hier noch nicht. Dafür aber jede Menge anderer Wege, die es gibt – wie Du richtig erwähnst. Da fällt die Auswahl manchmal schwer.
    Schön, dass Du hier warst – ich hoffe, nicht zum letzten Mal 🙂
    LG, Bianca

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