Lüneburger Heide: Wollgrasblüte im Pietzmoor

Wollgrasblüte im Pietzmoor - Lüneburger Heide

Zur Heideblüte ist die Lüneburger Heide ein Besuchermagnet – alle Welt möchte die Heide im August und September in ihrem lilafarbenen Kleid erleben. Doch im Mai gibt es ein weiteres, nicht ganz so bekanntes Naturschauspiel in der Gegend: Abertausende von flauschigen, weißen Wattebäuschen zieren die urwüchsige Moorlandschaft im Pietzmoor bei Schneverdingen. Es ist die Zeit der Wollgrasblüte. Bei einer Wanderung, die über Bohlenwege durchs Moor führt, habe ich die Gelegenheit, dieses Naturereignis zu genießen.

Am Südrand der Lüneburger Heide in Niedersachsen liegt das Pietzmoor, das zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Naturschutzgebietes zählt. Naturliebhaber sollten dieser unwirklichen Moorlandschaft unbedingt einen Besuch abstatten, denn sie ist etwas ganz Besonderes: Man hat errechnet, dass das Pietzmoor um die 8.000 Jahre auf dem torfigen Buckel hat! Das uralte Hochmoor bei Schneverdingen mit seiner einzigartigen Flora und Fauna ist mit einer Fläche von ca. 2,5 km² zudem das größte zusammenhängende Moorgebiet der Lüneburger Heide.

Es ist später Vormittag als ich am Parkplatz beim Pietzmoor ankomme. Der Himmel hat sich zugezogen und es herrscht drückende Schwüle. Im Wetterbericht sind Gewitter angekündigt. Aber ich bin ja Optimistin, die Regenjacke bleibt also im Auto.

Wandern im Pietzmoor: Auf Bohlenwegen durch die Moorlandschaft

Zwei Rundwanderwege  mit ca. 5,5 und 6,5 km Länge führen durch das Pietzmoor bei Schneverdingen – ich laufe an diesem Tag beide Strecken ab, da ich mich gar nicht mehr von der mystischen Moorlandschaft trennen mag. Selbst der bei der zweiten Runde einsetzende Nieselregen hält mich nicht davon ab. Immerhin komme ich rechtzeitig vor dem Gewitter wieder beim Auto an. Doch von Anfang an…

Nicht weit vom Parkplatz entfernt beginnen schon die ersten Bohlenstege, die Wanderer und Spaziergänger auf sicheren Wegen durchs geheimnisvolle Moor leiten. Zuerst nur vereinzelt, dann immer dichter sind die weißen Wattebäusche des Wollgrases zu sehen, die sich sanft im Wind wiegen.

Das Wasser steht dunkel, fast schwarz, zwischen Wollgras, Birken und Kiefern. So verdoppelt die Wasserspiegelung die Abertausenden der weißen Tupfen der Wollgrasblüte noch. Mich umgibt das Zwitschern der Vögel, Insekten surren in der Schwüle vor dem angekündigten Gewitter um mich herum. Ich glaube, so viele Libellen habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen – eine lässt sich auf meinem Arm nieder und macht es sich gemütlich. Vielleicht will sie auch nur checken, wie viele Schritte ich schon gemacht habe…

Bei einer Wanderung durch die Hochmoorlandschaft lohnt es sich, die Augen offen zu halten: Ich beobachte einen Buntspecht, ein Eichelhäher schimpft lauthals als ich näher komme und sogar einen Eisvogel kann ich für einen kurzen Moment erspähen.

Auf dem Moor-Erlebnisweg verraten Infotafeln mehr über die Entstehungsgeschichte des Moors, seine Renaturierung sowie über die typische Tier- und Pflanzenwelt. Immer wieder bleibe ich stehen und vertiefe mich in die Infos zum Pietzmoor. Noch spannender ist allerdings die Natur live zu erleben.

Tipp: Von Mai bis Oktober kannst Du auch an einer geführten Wanderung durchs Pietzmoor teilnehmen, die rund zwei Stunden dauert. Dabei erzählen die Gästeführer Interessantes zur Geschichte des Moores, zur Nutzung und Renaturierung und zur Flora und Fauna.

Flora & Fauna im Pietzmoor

Ein Ausflug ins Pietzmoor lohnt sich zu jeder Jahreszeit, nicht nur zur Wollgrasblüte im Frühling. Denn die einzigartige Flora und Fauna im Moor entfaltet immer wieder ihren ganz eigenen Zauber, den ich auch vom Hochmoor Kaltenbronn im heimischen Schwarzwald kenne: Im Frühling, wenn die Natur zum Leben erwacht, im Sommer, wenn Libellen über dem Wasser kreisen und die Heidelbeeren in der Sonne reifen, im Herbst, wenn Nebel das Moor in eine mystische Stimmung hüllt oder im Winter, wenn Schnee die Landschaft bedeckt und der Atem in der kalten Luft Wölkchen bildet.

Renaturierung der Moorlandschaft

Dass das Pietzmoor heute noch ein Refugium für Mensch und Natur ist, ist der erfolgreichen Renaturierung zu verdanken. Jahrhundertelang wurde hier in der Lüneburger Heide Torf abgebaut – diese intensive Bewirtschaftung hätte fast das Ende für das Pietzmoor bedeutet! Doch dank eines Renaturierungsprojekts, das in den 1970er Jahren gestartet wurde, konnte die Moorlandschaft bewahrt und gerettet werden.

Wollgrasblüte im Pietzmoor – die Blüte, die keine ist

Die Wollgrasblüte im April und Mai ist das erste große Naturereignis des Jahres in den Mooren der Lüneburger Heide. Auch wenn gewöhnlich von der Wollgrasblüte die Rede ist – eigentlich ist es gar nicht die Blüte des Wollgrases, die für die zauberhaften weißen Puschel sorgt. Sondern wenn man es genau nimmt, handelt es sich um den Fruchtstand des Wollgrases. Was aber am wichtigsten ist: Die zarten Wattebäusche sind einfach zauberhaft und lohnen einen Ausflug in die Lüneburger Heide.

Von Heidschnucken und Moorschnucken

Schon zu Beginn des Rundweges durchs Pietzmoor begrüßt mich Meike Moorschnucke, eine freundlich grinsende Holzskulptur. Die Lüneburger Heide ist bekanntermaßen die Heimat der knuffigen Heidschnucken, ihre Verwandten, die hornlosen Moorschnucken, tummeln sich dagegen auf den Moorflächen. Beide Arten sind sozusagen als Landschaftsgärtner unterwegs und haben die Aufgabe, Flächen abzuweiden, die frei von Büschen und Bäumen gehalten werden sollen. Dabei kommen die Moorschnucken gut mit den feuchten Böden, auf denen das Wasser steht, klar und schaffen es sogar sich aus gefährlichen Moorlöchern zu befreien. Leider sind die Moorschnucken selten geworden, gehören sogar zu den gefährdeten Haustierrassen: Zu klein sind die Moore geworden, als dass sie noch genügend Platz für eine komplette Herde bieten würden. Deshalb wird heute der Gärtnerjob im Pietzmoor hauptsächlich durch Heidschnucken übernommen.

Während meiner Wanderung auf den Bohlenwegen durchs Moor höre ich das laute Blöken der Schafe lange bevor ich sie sehen kann. Dann entdecke ich endlich die Schnucken, die begleitet von Schäfer und Hütehund durchs Pietzmoor ziehen. Ich bleibe stehen und beobachte die Herde eine ganze Weile bis sie kaum noch zu sehen sind.

Später, als ich die Holzstege bereits hinter mir gelassen habe und wieder auf festerem Boden wandere, passiere ich eine Weide, auf der es sich eine weitere Heidschucken-Herde gutgehen lässt. Jetzt im Frühling sind einige Lämmer mit dabei, die auf staksigen Beinen durch das grüne Gras toben oder erschöpft vom Spielen vor sich hin dösen. Zuckersüß!

Lauschige Birkenwälder & ein Teppich aus Heidelbeerbüschen

Fast schon skandinavisch wirken die Birkenwäldchen mit ihren weiß-schwarzen Baumstämmen. Und auch die Heidelbeeren, die hier im Pietzmoor wachsen, könnten genauso in Schweden, Norwegen oder Finnland stehen. Kein Wunder also, dass ich mich auf den Waldstücken, durch die der Rundwanderweg führt, ein bisschen in den hohen Norden versetzt fühle.

Durch die Heide

Ein Stück des Weges geht durch die für die Gegend so typische Heidelandschaft. Jetzt im Mai ist die Heide allerdings weit entfernt von dem lilafarbenen Naturschauspiel der Heideblüte: Eher bräunlich und vertrocknet sind die Ästchen im Frühling. Aber mit etwas Fantasie lässt sich erahnen, was für Erlebnis ein Besuch in der Saison sein muss.

Blaue Frösche im Pietzmoor

Die Moorlandschaft bietet sogar noch ein weiteres faszinierendes Naturschauspiel: Mit etwas Glück kann man im Frühling (März / April) die blauen Moorfroschmännchen beobachten. Zur Paarungszeit, die nur wenige Tage dauert, färben sich die männlichen Frösche leuchtendblau, um den Weibchen zu imponieren. Dann schallt ein lautes Froschkonzert durchs Pietzmoor.

Praktische Tipps für einen Ausflug ins Pietzmoor

Wann blüht das Wollgras im Pietzmoor?

Um die Wollgrasblüte im Pietzmoor zu erleben, solltest Du Dir den Wonnemonat Mai vormerken. Ob die Blüte bzw. der Fruchtstand schon soweit ist, erfährst Du beim Wollgras-Barometer der Lüneburger Heide, das jedes Jahr ab Ende April zur Verfügung steht.

Anreise & Parken Pietzmoor in der Lüneburger Heide

Du findest das Pietzmoor in der Nähe von Schneverdingen und Bispingen – fürs Navi gibst Du am besten „Heberer Straße 100, Schneverdingen“ ein, so kommst Du direkt zum Parkplatz beim Moor. Hier gibt es übrigens auch öffentliche Toiletten. Direkt daneben liegen das Feriendorf Schneverdingen und das Hotel Café Schäferhof – letzteres ist bei Wanderern und Ausflüglern beliebt, um einzukehren.

Weitere Infos zum Pietzmoor findest Du bei Bispingen Touristik.

Lesetipp: Lüneburger Heide - Schlemmen und Übernachten in der Grünen Eiche in Bispingen

Mein Check: Pro & Contra

Mein Check: PRO!
ZAUBERHAFTES NATURSCHAUSPIEL
Auch wenn das Pietzmoor zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist, so ist es zur Wollgrasblüte doch besonders schön. Sogar wenn der Himmel mal nicht blau strahlt und es vor sich hin nieselt…
Mein Check: CONTRA!
MÜCKENSCHUTZ NICHT VERGESSEN
Im Moor kreucht und fleucht es. Und natürlich fühlen sich hier auch Stechmücken ziemlich wohl. Deshalb solltest Du Dich besser mit Mückenschutz entsprechend wappnen.

Bilder und Impressionen aus dem Pietzmoor bei Schneverdingen in der Lüneburger Heide

Kooperation

Zu meinem Wochenendtrip in die Lüneburger Heide wurde ich im Rahmen des Heideblogger Events eingeladen. Vielen Dank an Bispingen Touristik e.V. und Tanja von Wellness Bummler und Spaness!

Weitere Artikel zum Heideblogger Event in Bispingen findest Du bei den Blogger-Kollegen von:

Ein zweiter Blick | Girl on Travel | GlitzerdingsHeikes Reiseblog | Maddie unterwegs | North Star Chronicles | Spaness | Sylvis Lifestyle | Waltzing Meurers | Wander ReporterinW.E.G.siteWellness Bummler

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